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Anlässlich der Initiative Puls des Friedens habe ich im Freundeskreis einfach mal gefragt: Frieden, was ist das für dich, hier und heute, gestern und morgen? Wo findest du ihn oder hast ihn gefunden, wo sind deine Momente des friedlichen Seins?

Wenn du hier landest und das liest, wenn du dich inspiriert fühlst und etwas beitragen willst, dann schick mir deinen Friedensmoment, damit er Teil dieser Aufzählung werden kann. Du kannst das Thema konkret angehen, du kannst es allgemein oder philosophisch umkreisen, ganz wie du willst.

Die eine Antwort wird es nicht geben, aber viele verschiedene Antworten können ein buntes, facettenreiches, lebendiges Bild ergeben, das erweitert und verändert werden kann. So kann diese Liste endlos fortgesetzt werden, über Wochen, Monate, Jahre womöglich. Und sollte sie irgendwann zur Freude aller Teilnehmenden den Rahmen dieses Blogs sprengen, dann findet sie ein anderes Zuhause.

 

Frieden, was ist das

Den Symphonien der Vögel im Wald zu lauschen und mit jedem Atemzug das Leben in mir zu spüren. ∗ Der Blick in deine Augen, manchmal. ∗ Der Tagtraum hinter meinen geschlossenen Augen. ∗ Wenn ich ganz früh am Morgen nur die Vögel singen und zwitschern höre, mit einer Tasse Kaffee gemütlich frühstücke. ∗ Frieden, das ist der Umstand, dass ich mir keine Sorgen um morgen machen muss. Ich kann nicht nur heute, sondern auch morgen essen, einkaufen, Freunde treffen, meine Tochter erreichen. ∗ Ich finde Frieden, wenn ich in der Natur spazieren gehe und so circa nach der ersten Stunde der Alltag wegspaziert ist und ich frei und offen geworden bin für die Schwingungen um mich herum und die Schönheit. Wenn ich Musik höre, zum Beispiel Satie, Cosi fan tutte oder Stücke von Gurdjieff, oder wenn es mir gelingt, beim Malen mich selbst zu vergessen. Beim Aufräumen ... ∗ Das Meer, der Horizont, der Himmel und sonst nichts weit und breit. ∗ Wenn ich neben meinem kleinen Enkelkind liege, er mit seinen kleinen Händchen so lange in meinen grau melierten Haaren wuschelt, bis das sanfte Schnullerschmatzen in den regelmäßigen Atem seines Schlafes übergegangen ist. Wenn ich an einer der rauen Küsten des Atlantiks stehe, die Wellen sich am Felsen brechen und die Gischt ihre kleinen Bläschen durch die Luft wirbelt. Wenn ich am anderen Ende der Welt an einem der schönsten Strände der Welt mit einer mir bis dahin völlig fremden Frau aus Israel bis zu den Hüften im Wasser liege und wir darüber reden, wie schön es wäre, wenn wir Menschen unsere schöne Welt voll und ganz bejahen und genießen könnten. Wenn ich mit einer Freundin in Berlin an ihrem Küchentisch sitze und eine von ihr gedrehte Zigarette rauche, während wir über uns Frauen und die Welt reden. ∗ Der Frieden in der (großen) Welt kann sich nur ausbreiten mit Frieden in jedem (kleinen) Herzen. Frieden ist für mich also auch ein freundliches, verstehendes, empathisches, wohlwollendes, nachsichtiges, liebendes Miteinander – im Zusammenleben, in der Kommunikation und Begegnung unter den Menschen in Beziehung, Familie, im Alltag, aber auch auf der Straße, mit den Nachbarn, auf der beruflichen Ebene und vor allen Dingen im Wechselspiel mit der Mutter Erde und ihren Tier- und Pflanzenkindern. Ohne sie gäbe es uns nicht, ohne ihre Nahrung, ihr Nähren. Seien wir achtsam und behutsam, eben friedlich mit ihr – und damit mit uns. Möge es uns gelingen! Ich selbst finde Frieden in der Natur, beim Kräutersammeln, in der Kommunikation mit Mutter Erde, beim Singen und Trommeln für Baum- und Pflanzenwesen. Aber auch beim Yoga oder beim Klavierspielen. Und nicht zuletzt in den Armen meines Mannes. ∗ Frieden ist das Vernünftigste, was die Menschheit tun kann. Es ist so einfach, wenn alle mitmachen, und bietet zahlreiche Lösungen für die ganzen Probleme, mit denen so viele Menschen auf der Welt zu kämpfen haben. In einem Begegnungs-Treff habe ich einen Jungen aus Palästina kennengelernt. Sein Pass wurde ihm in Palästina gestohlen oder weggenommen und als er nach Deutschland geflüchtet ist, konnte er sich somit nicht ausweisen. Auf seinem Aufenthaltstitel steht jetzt XXX, weil er hier als staatenlos gilt. Ich habe mit ihm ein wenig gequatscht und habe ihm auch von Yael Deckelbaum erzählt. Als ich ihn gefragt habe, was denn Frieden für ihn bedeute, war das erste was er antwortete: „Wenn ich mich frei fühle.“ ∗ In meiner momentanen Lebenssituation finde ich Momente des Friedens bei gemeinsamen Mahlzeiten im Garten mit meiner Familie, bei Gesprächen mit guten Freundinnen, beim Streicheln meiner Katze, wenn sie genüsslich schnurrt, beim Walken im Wald und in der Entspannungsrunde beim Yoga, wenn ich spüre, dass meine Klient*innen ihr Leben hin zum Positiven für ihre Kinder verändern. ∗ Ich habe eine Frau beim Sterben begleitet. All die Kämpfe, Wünsche, Sehnsüchte meines Alltags wurden zu Nichtigkeiten, es war ein Innehalten und Besinnung auf das, was unser Leben wirklich ausmacht. Das ist eine der Erfahrungen, bei denen ich spüren konnte, dass Frieden für mich mit einer tiefen Ruhe und einem Annehmen dessen, was ist, einhergeht. Liebe entsteht dann, und Liebe ist die Verbündete des Friedens.

 

Text: Alena, Anette, Birte, Christa, Claudia, Dagmara, Gilda, Kerstin, Michael, Susann, Tilda, Virginia